Abenteuer, es gibt sie auch noch heute mitten in Europa.
Der Wecker klingelt pünktlich. Frokost und Bezahlen gehen Reibungslos. Na ja, nicht ganz. Man hatte übersehen, dass das Zimmer im voraus bezahlt war. Aber das war schnell erledigt. Der Berufsverkehr Richtung Bergen ist schon durch. Die Tankstelle am Flughafen hat auf und der Wagen ist mit 95 Oktan zufrieden. Lediglich der Zapfhahn schnappt nach dem Zeigefinger beim Versuch den Verschluss zu arretieren. Dann kommt die erster Hürde: Do-it-your-self-Check-in. Einmal Umsteigen mit zwei Plätzen nebeneinander ist Glückssache. Wir reklamieren und lassen nachbessern. Der Koffer - den Gepäckanhänger muss man selbst dranfriemeln - darf man nur an einem bestimmten Schalter abgeben. Dort ist natürlich eine Schlangen. Bei unserem zweiten Koffer streikt das Förderband. Ich nutze die Gelegenheit um ein wenig konstruktive Kritik am Do-it-your-self-Checkin loszuwerden. Die Stewardess verspricht es weiterzugeben. Wie beschließen SAS nur noch, wenn es unbedingt sein muss.
Bei der Sichereitskontrolle wird zum ersten Mal mein Flaschen-, Dosenöffner, Schraubenzieher-Universalblechwerkzeug unter die Lupe genommen. Ich verabschiede mich schon innerlich, darf es aber wieder einstecken. Im Souveniershop oben gibt es Nagelknipser in Norweger Farben. Damit entfuhrt kein Terrorist einen Flieger.
Wir kassieren 80 NOK Tax Refund und hauen unsere restlichen Kronen auf den Kopf.
Einsteigen nach Kopenhagen, die Getränke sind noch für alle gratis. Es ist gut Sicht. Wir werfen noch einen Blick auf das Solstrand und einen Gletscher. Dann kommt das Meer und Wolken, schließlich Kopenhagen.
Hier decken wir uns mit dem wichtigsten ein: Aktueller Spiegel und dänisches Lakritz. Wir gehen zum Gate und warten auf den Flieger. Zwischen Peter Gabriel und Liquido - ich habe den Ipod-Epigonen im Ohr - erscheint eine Stewardess und erzählt uns, dass hier der Flug nach Stavanger abgefertigt wird. Wegen des Fluges nach München sollten wir uns an den Transfer-Desk wenden. Auf den Displays steht bei unserem Flug nicht mehr "Gate A23" sondern "wait for info".
Am Transfer erfahren wir, dass der Flug gecancelt wurde. Wir werden auf die 18:05 Uhr Maschine umgebucht. Auf die Frage, was wir solange machen sollen, erhalten wir zwei Fressgutscheine zu 150 Kr. Damit lässt sich die Zeit gut überbrücken. Die Dame am Imbiss hilft uns, die Gutscheine bis zum letzten Öre aufzubrauchen. Getränke gibt es gleich. Für das Essen gibt es einen Plastikchip, der piepst und blinkt sobald der Koch fertig ist.. Falls das nicht funktioniert brüllt er auch schon mal die Chipnummer quer durch den Saal.
Gegen 17:00 Uhr gehen wir erwartungsvoll zum Gate. Es steht München dran. Es sind schon einige Passagiere da und die Mühle wird betankt. Leider ist das vergebene Liebesmühe. Die Mühle entpuppt sich als Schrottmühle und 1,5 Stunden später sitzen wir einen Warteraum weiter, wo gerade die Ersatzmaschine anrollt.. Ob es wirklich weitergeht? Kommt unser Gepäck mit? Bleibt es unser Bergen-Bild heil? Fortsetzung folgt.
19.21: Uhr:
Seit 40 Minuten sitzen wir in der Ersatzmaschine. Der Captain hat gerade mitgeteilt, dass es ein Problem mit der Hydraulik gibt. Der Mechaniker hat die Plempe ins Gesicht bekommen und muss erst einmal versorgt werden. Vielleicht kann man es reparieren - wenn es aber ein Riss ist ... .
Die ersten verlassen entnervt den Flieger. Wir überlegen, ob wir unseren Duty-Free Whisky köpfen sollen. Aber wahrscheinlich ist das gegen ein skandinavisches Abstinenzgesetz.
19:45 Uhr:
Eben erfahren wir, dass Reparatur nicht in reasonable time möglich ist. Der Ersatzflieger steht nebenan... - Fortsetzung folgt.
20:45 Uhr:
Es geht in die dritte Maschine. Der Captain versprach es gehe gleich los - "I cross my fingers" - und tatsächlich um 21.20 Uhr fuhr die Passagierbrücke zurück und der Flieger wurde in Richtung Rollbahn geschoben. Drinnen gab man sich locker. Bemerkungen der Besatzung zu den Problemen vorher wurden mit Witzen kommentiert. Um 22:30 Uhr landeten wir in München. Unsere Koffer waren sehr schnell da. Ab ins Parkhaus und nach Hause. Um fünf nach zwölf betraten wir erschlagen die heimischen Hallen. - Das Regenbild aus Bergen ist auch ganz geblieben.
Am 08.07.2005 um 00:05 Uhr sind wir wieder daheim.