28.06.2005 - Nordkapp - Hammerfest

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Um 05:00 Uhr rappeln zwei Handys, meine Uhr und das Telefon: Die Reiseleitung hat freundlicherweise einen Weckruf eingestellt, damit wir den Ausflug "Frühstück am Nordkap" nicht verpassen. Um 05:30 Uhr gibt es Kaffee und Kekse an der Bar auf Deck 4. Um 06:00 Uhr geht es pünktlich los.

Antonella - siehe Vogelsafari - betreut eine Gruppe Italiener. Wir haben eine sehr junge, sehr blonde norwegische Reiseleiterin. Ihre Deutschkenntnisse bewegen sich auf unterstem Niveau, was aber auch einen gewissen Charme hat, manchmal aber die Verständigung erschwert: "Als die Sonne schien drehte der Troll sich in Fels" Tja, das kommt davon, wenn man immer das erste Wort im Lexikon nimmt. Die Rückübersetzung ins Englische bringt meist Klarheit. So auch hier: drehen - to turn - verwandeln.

Wir lernen, dass Rentiere das gleiche machen wir Kreuzfahrtgäste: Essen und ausruhen. Rentiere werden im Herbst geschlachtet. Was wird mit uns in Bergen geschehen? Wohin führt die Passagierbrücke am Anleger? Mir war das bei der Abreise schon nicht geheuer. Vielleicht sollten wir schon in Florö aussteigen?

Dann gibt es hier wahnsinnig viele Dinge mit dem Attribut nördlichste bzw. Norwegens nördlichstes wie z. B. eine Brauerei, ein Golfclub, etc. Ich frage mich, ob wir am Nordkap in Kunstharz eingegossen den nördlichsten Popel besichtigen können - wundern würde mich das nicht mehr.

06:40 Uhr kommen wir an ein paar Rentieren und Campmobilen vorbei am Nordkap an. Es geht toute droit ins Panoramakino, wo wir sehen, wie es hier aussähe, wenn kein Nebel wäre, wie er gerade hier herumhängt. Alte Sadisten! Denke ich, zeigen uns wie schön es sein könnte, bei diesem Mistwetter mit 10m Sichtweite.

Dann geht es zum Frühstück ins Panoramarestaurant - schönes Nebelpanorama, warum nicht das ganze im Bunker mit Phototapete durchführen, dann hätte man wenigstens die Illusion. Es geht beim Frühstück noch chaotischer als auf dem Schiff zu. Es ist sehr eng, Besteck, Geschirr und Speisen sind so verteilt, dass man mehrere Gänge und drei Runden um den Tisch braucht. Anschließend ist man so desorientiert, dass man den Ausgang blockiert während man seinen Platz sucht. Wir nehmen auch diese Hürde..

Endlich geht es an den nördlichsten Punkt Europas. Mit GPS und dem Lärm folgend finden wir in der dicken Suppe die Nordkapkugel und machen unsere Fotos zur Dokumentation einschl. der GPS-Anzeige. Wir kaufen ein Nordkap-Zertifikat und verpassen fast den Bus, weil der Rucksack eines anderen Besuchers am Ausgang piepst.

Positionsdaten
Nordkapkugel
Aussichtsplatform

Unterwegs Richtung Hammerfest gibt es noch ein paar Norwegens nördlichste ... zu sehen, eine Samen-Touristenfalle und eine normale Touristenfalle mit zuwenig Toiletten und der entsprechenden Schlange. Die Sitze im Bus entpuppen sich langsam als mittelalterliche Folterinstrumente.

Kurz vor Hammerfest entdecke ich ein Mini-Pistenbulli mit Schneepflug vorne dran. Ja, so habe ich mir den Norden im Winter vorgestellt : Um 4:00 Uhr früh aufstehen, mit der Lötlampe den Diesel auftauen und dann mit dem Pistenbulli zur Arbeit, Letzten Winter hätten wir den bei uns auch ganz gut brauchen können.

In Hammerfest werden wir nicht Mitglied im Eisbärenclub sondern gehen lieber gleich zum Essen und anschließend schlafen. Die kurze Nacht fordert ihren Tribut.

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