05.01.2005 Die Höhlen des Drachen

Heute morgen pfeift ein kalter Wind über die sonnige Terrasse. Wir beschließen die Drachenhöhle in Porto Christo zu besichtigen. Es geht erst Richtung Algaida und immer gerade aus. Durch Manacor hadern wir etwas mit Garmin. Die Kreisverkehre sind nicht auf dem neuesten Stand. Es geht mitten durch den Ort. Er schaut so hässlich aus wie alle neueren Orte im Mittelmeerraum. An der offensichtlichen Hauptgeschäftsstraße dröhnt weihnachtlich angehauchte Musik aus den Lautsprechern. Bescherung ist hier erst am 6. Januar. Wir finden wieder heraus und den Weg nach Porto Christo. Das Straßengewirr in Kombination mit Einbahnstraßen ist auch hier eine Herausforderung. Die Cueavas del Drach sind aber gut ausgeschildert. Für die 12:00 Uhr Führung sind wir 10 Minuten zu spät. Also folgen wir dem Schild Aquarium. Kurz vor dem Eingang entlehrt sich gerade ein Touristenbus. Entwarnung, die gehen nur Mittagessen. Als einzige Besucher betreten wir das Aquarium. Erste Abteilung: Süßwasserfische aus aller Welt. Vor allen Dingen Afrika und Amazonas. Ein paar Piranhas, Welse, und irgendjemand muss hier seine Koi Karpfen Sammlung entsorgt haben. Es finden sich gleich mehrere Aquarien mit den Viechern. Dann folgen tropische Meere und Korallenriffe. Es gibt auch ein paar Becken mit Schildkröten und wir spielen das beliebte Spiel: Wo ist der Fisch? Einige tarnen sich sehr gut: Man glaubt das Becken sei leer. Dann geht es eine Treppe tiefer: Hier können Mittelmeerfische bestaunt werden. Die Anlage insgesamt ist nicht sehr neu, aber nett gemacht. Am Ausgang gibt es den üblichen Andenkenladen mit dem üblichen Kitsch.

Wir sind rechtzeitig zur zweiten Führung da. Wir warten am Eingang. Es tauchen Horden von Höhlenpersonal in braun-beigen Klamotten auf. Endlich geht es rein. Die Masse der Leute stürmt im Schweinsgalopp durch die recht schöne Höhle. Stehenbleiben, in Ruhe schauen ist unmöglich, man wird weitergespült. Schließlich gelangt man in eine Art Saal mit See und einer Tribüne. Die Hauptattraktion dieser Höhle sind die Konzerte. Die Reihen auf der Tribüne füllen sich. Kaum zu glauben, dass es fast 10 Minuten dauert bis der letzte eingetroffen ist. Dann erfolgt die Ansage: Historie der Höhle, Daten der Höhle, Ablauf des Programms Musik, Beleuchtung „Sonnenaufgang auf dem See Martel“ und anschließen die Möglichkeit der unterirdischen Bootsfahrt. Das alles wird in Spanisch, Englisch, Italienisch, Deutsch und Französisch heruntergebetet. Ach ja, fehlen darf natürlich nicht der Hinweis auf das Verbot von Photo und Videoaufnahmen. Dann kommt der große Moment und es wird dunkel. Schmalzige klassische Musik ertönt – zwei Geigen, ein Cello und ein Harmonium auf einem Boot, das wie zwei andere mit Lampen verziert ist. König Ludwig II hätte seine helle Freude an der Szene gehabt. Der simulierte Sonnenaufgang ist ein angenehme Überraschung. Laut Führer hätte die Höhlenbeleuchtung viel hässlicher sein müssen.

Wir suchen uns noch ein kleines Restaurant, was in Porto Christo nicht so ganz einfach ist. Das meiste hat zu, keinen Platz draußen an der Sonne oder ist direkt neben einer Baustelle. Wir werden trotzdem fündig. Der Blick über die Bucht und den Hafen ist sehr reizvoll, es gibt einen kleinen schönen Sandstrand. Das Paar am Tisch verabschiedet sich und eine ältere Dame mit eindeutig schwäbischen Akzent mit Heilbronner Einfärbung fragt, ob noch Plätze frei seien. Wir bejahen das. Es kommen 5 weitere Heilbronner, zwei unausgeschlafene und daher quengelnde Kinder, Vater, Mutter, Oma und Opa. Dass sie Schwaben sind hört man nicht nur am Akzent sondern auch am Gesprächsthema: „Warum es im All-Inclusive am billigschten isch....“.

Wir bestellen Pizza al tonno und Paellla mit abgepulten Meeresfrüchten. Keine kulinarischen Highlights aber ganz ordentlich. Durch das Einbahnstraßenlabyrinth von Porto Christo geht es dann Richtung Hotel. Abends gibt’s wieder Wein am Kamin, die nächste Zigarre muss getestet werden.

Abends beim Aufschreiben dieser Erinnerungen mit meinem Psion, gibt dieser mit einem Dideldö seinen Geist auf. Ich werde wohl alles noch einmal schreiben dürfen. Gelobt sei Papier und Bleistift.

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