Um 04:00 Uhr lärmt das Telefon und reißt uns aus tiefstem Schlaft. Monika nimmt den Weckruf entgegen. Ich überlege erst einmal wo ich bin. Zwischen Tran und Traum geht’s ins Bad, dann anziehen. Alles eingepackt?, Zahlen und dann ab zum Auto. Den Prospekt für Parken am Flughafen haben wir irgendwo vergraben. Aber auf den offenen Parkplatz wollten wir eh nicht. Durch das Kreisel- und Straßenwirrwarr tasten wir uns zu den Parkhäusern vor und entscheiden uns für P6 Ebene 3. Eine mittelprächtige Wahl: Zwar auf dem richtigen Stockwerk aber am Terminal 1. Also latschen wir durch Terminal 1 zur S-Bahn und zum Überdachten aber offen Übergang nach Terminal 2. Es ist schweinekalt und zieht wie Hechtsuppe. Wir finden den Zugang zu den Gates und stellen uns an der Sicherheitskontrolle an. Die Dame vor uns muss Ihre Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen. Der Herr hinter uns legt einen Nagelknipser in die Schale und darf ihn unbeanstandet einstecken. Unsere Elektronik im Rucksack erregt keinen Verdacht. Weiter geht es durch das Labyrinth, zum Gate. Dort gibt es Kaffe das zweite ‚e’ hat er nicht verdient - und Zeitungen. Auf den Bildschirmen läuft ein Nachrichtenkanal mit Meldungen von der Flutkatastrophe in Asien. Die AZ titelt mit 140 000 Toten. 20 000 mehr als gestern Abend. Wir warten aufs Einsteigen, dass etwas früher als angekündigt beginnt.
Der Flug ist ruhig und unspektakulär. Es gibt Sandwich, Kaffee und kalte Getränke. Das Tablett mit dem Frühstück vermisse ich nicht. Hinter den Alpen sehen wir etwas Sonnenaufgang, Norditalien in der Dämmerung und über Mallorca drehen wir die Ehrenrunde und Fliegen von Südwesten an.
Durch das nächste Labyrinth geht es dann vom Gate zur Gepäckausgabe: Ein schier endloser Weg. 20 Millionen Passagiere sollen hier im Jahr abgefertigt werden. München hat auch nicht mehr. Ich stelle fest, dass der spanische Sprachführer ein Fehlkauf war: Die Mallorquiner sprechen katalanisch, Spanisch ist die erste Fremdsprache.
Die immer wiederkehrende Spannung am Gepäckband: Ist auch alles dabei? Unsere Gepäckstücke laufen tröpfchenweise ein aber vollständig. Raus geht es. Dort soll einer auf uns wg. Mietwagen warten. Nach einigem Suchen und Fragen finden wir ihn tatsächlich als wir schon fast aufgeben wollten. Wir bekommen einen Renault Clio mit vollen Tank, für den man uns 45 € berechnet. Später tanken wir für fast die Hälfte. Zu unserer Überraschung passen alle Gepäckstücke auch unser Monsterkoffer in den Kofferraum. Dann geht es mit der Wegbeschreibung in der einen Hand und Garmin genauer Garmin GPSmap 60C, ein handygroßes Satellitennavigationssystem mit Routing Informationen - in der anderen Hand erst mal nach Pina und dann weiter. Garmin braucht etwa 10 Minuten um zu wissen wo er ist. Leitet uns aber gut nach Pina. Dort müssen wir durch und da hinter gibt es schon den ersten Wegweiser zum Son Xontano. Ein zweiter steht vor der Zufahrt zum Hotel. Dort stehen auch zwei handgemalte Schilder in spanisch (catalan?) und deutsch mit der Aufforderung „Son Xontano - Zahlen Sie seine Schulden“. Ist der Laden pleite? Es geht erst einmal fast einen Kilometer nach Westen auf einem mediterranen Feldweg. D.h. der Weg ist schmal, rechts und links eingerahmt von Steinmauern, teilweise recht verfallen. Zu unserem Entsetzen kommt uns in diesem Schlauch auch noch ein Wagen entgegen. Wir quetschen uns in eine Einfahrt und klappen den Spiegel ein. Hoffentlich passiert das nicht öfter und Gott sei Dank haben wir die Vollkaskoversicherung dazugebucht. Nach dem ersten Tor geht es nach Norden ohne Mauer in Richtung Finca, die sehr malerisch liegt. Es ist Personal da. Das Zimmer ist noch nicht fertig es ist ja erst 09:30 Uhr. Wir bekommen Getränke angeboten und werden in den Frühstücksraum / Restaurant geleitet. Dort sitzen zwei Ehepaare. Die Damen unterhalten sich über Malerei. Schließlich ist das Zimmer bereit. Man hilft uns beim Gepäck und erklärt die Klimaanlage. Wie in allen südlichen Ländern, ist das Thema Heizung eher unterbewertet. Draußen ist es kalt. Die Wände des Zimmers sind es ebenfalls. Die Klimaanlage kämpft mit Warmluft tapfer dagegen an. Der Kampf wird drei Tage dauern bis es annehmbar temperiert sein wird. Im Bad müht sich eine kleine Elektroheizung unter dem Fenster. Heizen elektrisch und mit der Klimaanlage: Das ökologische Gewissen wird in den finstersten Keller gesperrt es geht schließlich ums überleben.
Wir fragen nach dem Sylvestermenu, das laut Prospekt vor Ort buchbar sei, und erfahren dass der neue Koch aus Deutschland seit 15.12. überfällig ist. Kein Koch kein Menü. Wir müssen ein Restaurant in der Nähe suchen. Da in Spanien die Promillegrenze bei 0,25 liegt heißt das: Einer darf trinken und einer fahren. Tolle Aussichten besonders zu Sylvester.
Wir wälzen den Führer und fahren anschließend los hoffentlich kommt uns keiner in der Ausfahrt entgegen um einen Tisch für Sylvester zu buchen. In Algaida G. W. Bush scheint den Ort nicht zu kennen gefällt uns die Auslage der hauseigenen Produkte ( Wurst und Kuchen ) so gut, dass wir gleich reservieren. Dann wollen wir noch etwas Einkaufen: Wasser, ein paar Kleinigkeiten zu Essen und eine Flasche Wein. Wir suchen einen Parkplatz in den engen Gassen. Zwei Kleinwagen passen mit Mühe nebeneinander. Nach einiger Kurverei finden wir einen SPAR und einen Parkplatz. Ein Glücksgriff, wie sich später herausstellen wird. Wir kaufen Wein, Käse, Kräcker und Datteln und fahren mit unseren Schätzen ins Ca’n Mateu zum Mittagessen. Es gibt Pa amb oli geröstetes Brot mit Tomaten und was drauf: Blutwurst, Sardinen, Schinken, Käse,etc, - Kaninchen und gefüllte Lammkeule. Wir rollen in unser Zimmer und ins Bett. Das frühe Aufstehen, die kurze Nacht und der volle Magen fordern Schlaf ein. Trotz der Staubsaugergeräusche der Klimaanlage und der klammen Bettwäsche schlafen wir bis zu den Nachrichten. Es werden inzwischen 160 000 Tote aus Asien gemeldet.