Der liebliche Lärm der Bauarbeiten im Stockwerk über uns ist heute unser Wecker. Im Bad riecht es nach Schuhcreme oder Farbe. Draußen ist es trüb. An der Rezeption erfahren wir, dass diese Woche unser Stockwerk wg. Bauarbeiten geschlossen wird. Wenn wir wollen, können wir umziehen. Wir wollen.
Heute geht esin den Biodome. Vorher holen wir unsere Fahrkarten nach Quebec ab und frühstücken im Food Court am Bahnhof. Dann geht es zur Metro durch die Katakomben. Zum Thema Fahrkarten: es gibt Einzel-, Sechser, Zwei-Wochen- und Monatskarte - mehr nicht. Ein Preis für alles. Wir nehmen ein Sechser-Ticket. Unten fährt die klassische Pariser Gummireifenmetro mit New-Yorker Sitzanordnung. Es geht recht flott zu unserer Zielstation Viau. Dann nach ein paar Schritten erreichen wir den Biodome.
Der Biodome liegt im alten Olympiagelände von Montréal. Der schiefe Olympiaturm verschwindet in der trüben Wolkenmasse. Der Eingang ist nicht ganz einfach zu finden. Wir buchen das komplette Paket: Biodome, Insektarium und Botanischer Garten. Der Biodome besteht aus vier Abteilungen: tropischer Regenwald, die Wälder am St. Lorenz, die Gewässer am St Lorenz und Antarktis. Erst geht es in den tropischen Regenwald. Es ist feucht und warm. Zuerst sieht man nur Bäume und Blätter. Nach einer Weile auch die ersten Tiere: Tamarine, Wasservögel, bunte Papageien der Marke Glemadour und diverse Echse und zwei Kaimane sind zu sehen. Das Gewässer ist von der Seite durch eine Glasscheibe einzusehen: Es schwimmen darin ziemlich dicke Fische. Ein paar Süßwasserrochen patroulieren direkt an der Scheibe. Ein kleiner blonder Knirps steht direkt davor und weiß nicht so genau, was er davon halten soll. Im Mittelteil sind ein paar Aquarien und Terrarien. In einem sind Frösche in den Farben von Lurchi. Kurz vor dem Ausgang hoch oben in den Wipfeln döst ein Faultier. Unten sind zwei quitschblaue Papageien und rosa Flamingos. Hinter dem Ausgang wird es frisch. Die laurentinschen Wälder sind auf 8 Grad Celsius temperiert. Drinnen sind neben Wasservögeln ein paar Fischotter und unsichtbare Biber. Direkt neben der Fischotterrutsche im Gehege gibt es auch noch eine Rutsche für kleine Zweibeiner, die fleißig genutzt wird. Vor dem Durchgang zu den Luchsen sitzen zwei Stachelschweine im Baum. Im Durchgang kann man live in den Biberdamm schauen: es sind zwei braune Fellknödel zu sehen. Die Luchse haben anscheinend keine Lust zur Vorstellung: der eine hat sich ins hinterste Eck verkrochen, der andere ist auf einen Baum geklettert und vom Gang aus nicht direkt zu sehen. In den laurentinischen Gewässern schwimmen dicke Fische gemächlich hin und her. Stoere, Welse usw. Die hektisch an der Wasseroberfläche paddelnden Wasservögel bieten dazu einen amüsanten Kontrast. In Arktis-/Antarktis-Teil sind Papagaientaucher und Pinguine. Letztere finden vor allem bei den jüngeren Besuchern großen Anklang.
Im (unvermeidlichen) Souvenirlaeden erstehen wir noch eine Mütze der Kategorie "Hauptsache warm". Dann geht's zum Insektarium. Weil das Navette im Winter nicht fährt eben zu Fuß. Der Olympaturm ist zur Gänze im Nebel verschwunden. Wir stapfen durch die feuchtkalte Winterlandschaft. Der Eingang zum Insektarium ist nicht ganz einfach zu finden. Es ist eine gut organisierte Ausstellung mit Bienenstock, Ameisenkolonie, vielen präparierten Krabbeltieren und einigen Terrarien - Motto jetzt schaut mal wie gut die Tarnung der Insekten ist. Bei einigen bin ich mir nicht sicher, ob außer Pflanzen wirklich etwas drin war. Am Shop vorbei geht es zu den Gewächshäusern des botanischen Gartens. Das Orchideenhaus wird gerade renoviert. Die kleine Ausgabe ist aber immer noch schön genug. Auch die Kakteen sind nett in Szene gesetzt. Die Wegweisung zur U-Bahn ist etwas widersprüchlich. Wir finden sie trotzdem. In der Shopping Mall beim Hotel kehren wir bei Katz auf ein smoked Meat Sandwich ein. Das Getränk ist inklusive. Dann geht es ins Hotel, das Zimmer wechseln.