Die ganze Nacht wird Schnee geräumt. Der Rückwärtspieper piepst draußen andauernd. Man hört den Lärm der Schneelaster vor dem Hotel. Ich schlafe schlecht - wie immer, wenn ich pünktlich früh heraus muß. Pünktlich um 5:45 Uhr piepst meine Uhr und der Weckruf holt mich gnadenlos aus dem Halbschlaf. Ich schlurfe ins Bad. Die Dusche braucht recht lange bis warmes Wasser kommt. Dann den Rest einpacken, alle Schubladen und Schränke dreimal kontrolliert. Die letzte Schmutzwäsche des Urlaubs verstaut. Koffer zu und ab geht's zum Lift. Es kommt natürlich, bei dem ich am weitesten laufen muß.
An der Rezeption steht bitte läuten. Ich lasse mich nicht lange bitten. Auf der Rechnung sind noch 33 $ Minibar von unserem Vorgänger, die Anstandslos storniert werden.
Draußen steht kein Taxi - Panik! Ein kleine Blick um die Ecke beruhigt: dort warten zwei Taxen. Auf zum Bahnhof. Es geht haarscharf an zwei Schneeräumern vorbei und dann auf Schneematsch den steilen Weg den Wall hinunter. Achterbahnfeeling kommt auf.
Im Bahnhof ist es sehr ruhig. Ich fluche über die Doppeltüre, die nur nach aussen aufgehen. Drinnen, wo es dann auch Gepäckwagen gibt, sind die Türen automatisch. Es riecht in der Bistro-Ecke heftig nach smoked Meat. Es ist nichts los an der Gepäckaufgabe. Es geht überhaupt sehr ruhig zu - ganz anders als in Montréal. Ich gehe zum Frühstücken und warte aufs Einsteigen. Inzwischen ist einiges los.
Beim Einsteigen wird nicht so viel Brimborium gemacht wie in Montréal. Das Gepäckfach oben ist etwas schmal. Der Rucksack muß unter den Sitz. Der Zug zockelt langsam los, was mir relativ egal ist. Ich habe keinen Stress damit. Die spannende Frage ist, wo haben wir zum zweiten Mal den St. Lorenz überquert? Bei der Hinfahrt, war das in der Dunkelheit nicht auszumachen. Der Zug tuckert los Richtung St. Foy, dem ersten Halt. Unterwegs gibt es einige dieser gigantischen Güterdieselloks zu sehen. Die haben schon etwas mehr von Schiffen als von Loks. Eine Bahnschranke blinkt auf der Seite. Es kommt aber wg. Schneehaufens darunter sowieso niemand durch. Ansonsten ziemlich ödes Gewerbegebiet und Highways. Kurz vor St. Foy gibt es ein kleines Wettrennen mit einem Güterzug. Er rückt vor dann wir wieder. Nachdem eine Passagiere zugestiegen sind haben wir Vorfahrt. Es geht über den St. Lorenz. Die Strecke führt weite Teile entlang der Autobahn. Eine Station vor Montréal kann man schon den Olympiaturm sehen. Es geht auf einem etwas anderen Weg in den Bahnhof als bei der hinfahrt hinaus. Wir haben inzwischen 20 Minuten Verspätung. Der Anschlusszug für einige fährt in 15 Minuten. Davor aber liegt noch das Gepäckband. Es wird immer wieder gefragt, ob noch Umsteiger auf Gepäck warten. Es kommen wohl noch alle mit. Ich gebe meine Koffer zur Aufbewahrung und stromere durch die Underground City. Draussen ist es auch nicht besonders kalt. Nach Surfen und Smoked Meat. Bei der Gepäckausgabe finde ich ein ruhiges Plätzchen. Aus der Schalterhalle dröhnen die Töne einer Quebecer Karnevalströte.
Ich gehe zum Taxistand und lasse mich zum Flughafen fahren. Es stoppelt ein wenig. Am Airport gibt es fast ausschließlich Selfservice Checkin. Ich frage, wie es funktioniert und darf mich in die Schlange einreihen, weil ich in Frankfurt umsteigen muss. Es ist ein bischen chaotisch. Beim Sichertheitscheck frage ich mich zum x-ten Mal, warum man die Passagiere nicht der Einfachheit wg nackt fliegen läßt. Man könnte auch OP-Kleidung ausgeben. Die Klamotten fliegen dan eingeschweißt mit. Meine letzen Dollar investiere ich in ein Rickard's Red und in ein Eis. Dann gehts zum Gate dösen.
Die Maschine kommt pünktlich an, wir steigen pünktlich ein. Es scheint alles bestens. Fünf Minuten vor der offiziellen Startzeit, erfahren wir dass es Probleme mit der Wasserversorgung im Flugzeug gibt und demzufolge auch 20 Minuten Verzögerung, die aber locker eingeholt werden. Aus 20 Minuten werden schließlich drei Stunden. Es gibt Wasser und crackerähnliches Zeug, sowie Kopfhörer und Bordunterhaltung. Eine kleine Auflockerung sind die Durchsagen auf deutsch. Der Steward spricht weitgehend akzentfrei, greift aber bei den Vokabeln haarscharf daneben. Das sorgt für etwas unfreiwillige Auflockerung: "Papierwerk" statt Papierkram" und "Rauchen ist auf dem ganzen Flugzeug verboten" - Na, da wir auch kaum einer sein.
Endlich geht es los. Beim Essen wähle ich Chicken. In den Nachrichten war zu sehen, warum die Kanadier gerade eine Lieferung Rindfleisch aus USA gestoppt haben: Die Kühe sich gerade kaum selbst zum Schlachthof schleppen. Gammelfleisch auf vier Beinen.
Im Film gibt es eine Vatiante des 3 Männer und ein Baby Themas. Ich schlafe tatsächlich etwas und schaue mir noch den Rest von "a beautiful mind" an.
Polarlichter sehe ich leider keine, trotz Sitzplatzes auf der richtigen Seite. Zum Frühstück - Ansage auf deutsch: "wir servieren Ihnen ein kaltes Frühstück" - gibt es eine Muffin, Joghurt, geschnetzelten Apfel und Orangensaft.
Beim Aussteigen herrscht Chaos. Es ist 10:30 Uhr ich habe bis 11:40 Uhr Zeit meinen Anschlußflieger zu erwischen. Verdampt knapp für Frankfurt von B nach A. Dazwischen liegen der Transfertunnel, eine Sicherheitskontrolle, die die meiste Zeit kostet.
Quasi hinter mir schnappt die Fliegertür zu. Eine Dame aus meinem Flieger ist ebenfalls da und völlig aufgelöst. Eine Stewardess kümmert sich rührend um sie.
Mit zehn Minuten Verspätung geht es weiter. In München kommen meine Koffer als erste vom Band.
Das Auto ist noch da und ganz, nur die Reifen können noch etwas Luft vertragen. Aber es gibt ja dafür hier eine Tankstelle. Müde fahre ich heim.