Die Sonne scheint, es ist ein klein wenig diesig. Um halb eins nachts hat da Handy zweimal vergeblich gebimmelt - Nummer unbekannt. Im St Alexandre bin ich eines Handschuhs verlustig gegangen. Aber ich habe ja noch meine Ski-Handschuhe dabei.
Zum Frühstücken steuere ich den Laden gegenüber vom Hotel an, der mit dem special Offer of the day wirbt. Außen ist es antik, innen etwas dinermäßig. Der Kaffee ist etwas dünn aber trinkbar. Das Preis-Leistungsverhältnis ist OK. Die umliegenden Wirtschaften bieten alle Dejeuner an - das petit entfällt in Kanada - sie leben letztendlich von den exorbitanten Preisen im Chateau und anderen Hotels.
Es ist recht mild draussen und sicher um die null Grad. Das Musée du Fort ist heute dran. An einem Diorama zusammen mit einer Diashow werden die diversen Schlachten um Québec zwischen Engländern und Franzosen erklärt. Die jeweils relevanten Exponate werden angeleuchtet. Es sind die kleinen Dinge, die das ganze sympathisch machen: Die englischen Schiffe schaukeln auf dem St. Lorenz, die simulierte Leuchtrakete etc.
Draußem ist das Licht ist gut zum Fotografieren. Ich werde ein paar Bilder machen. In der St. Louis werden Eiszapfen abgeschlagen. Auf dem Karnevalgelände steppt der Bär. Die Schneeskulpturen haben ihre besten Tage hinter sich, sind aber noch recht ansehnlich. Auf dem Hundeübungsplatz sind jetzt die Schlittenpferde dran.
Ich reihe mich beim Rafting ein. In großen Schlauchbooten geht es den Berg hinunter. Es gibt die Variante gerade und Tornado. Ich stelle mich bei Tornado an. Das Schlauchboot ist rund und bekommt beim Start einen kräftigen Effet. Es wird so voll mit Leuten gepumpt, das keiner mehr rausfallen kann. Mit "vous pouvez crier" werden wir den Hang hinuntergeschubts - es ist wie in einer Wäscheschleuder. Leicht desorientiert krabbele ich aus dem Raft.
Richtung Ausgang sorgt eine Blaskapelle für einen Stau. Ich entdecke, daß in Kanada der Bollerwagen wieder auferstanden ist. Aus Plastik und zum Transport von Kleinkindern genutzt.
Für 6 $ gibt es einen Platz in der Pferdetram, die vom Festgelände zum Chateau und wieder zurück fährt. Richtig spannend wir das ganze durch knapp vorbeifahrende Busse - close encounters der unangenehmen Art. Kurz vor Schluss stoppt der Wagen wg. Entsorgung der Pferdeäpfel. Ich nutze Die Gelegenheit zum Aussteigen und kaufe noch eine blaue Tröte. Die muss bei der nächsten Kohlfahrt mit.
Auf dem Weg zum Hotel fährt ein Auto mit lauter Musik an mir vorbei. Ramstein dröhnt an mein Ohr. Das hat etwas surreales. Mittem im Karneval in Kanada deutscher Punk. Zum Abschluss gibt es nochmal Fitness. Im Dampfbad sitzt ein Kanadier, erkennbar an der nicht vorhandenen Badehose. Wir unterhalten uns etwas auf französisch. Er bietet an auf englisch zu wechseln ich lehne ab. Wir parlieren weiter.
Auf dem Zimmer steht schon das Abschiedspräsent des Hauses: ein paar Süßigkeiten und ein kleine Flasche Ahornsirup. Zum Abendessen gehe ich ins Interconti schräg gegenüber - italienisch, sehr gediegen. Ich nehme Table d'Hote und eine halbe Flasche Roten. Benotung mindestens so gut wie das "Aux Anciens Canadiens" gleich nebenan. Ich zahle. Eine größere Gruppe Amerikaner läuft ein. Der Geräuschpegel steigt. Ein guter Zeitpunkt zum Gehen.
Ich räume meine Safebox und packe mein Zeugs zusammen. Die eher unempfindliche Sachen in die Schuhtasche. Den Rest in den Koffer. Dann geht's auf einen letzten Manhatten in die Bar. Draußen ist Schneegestöber. Ich werde ein bißchen früher aufstehen.