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15.02.2008 Québec - Museum der Gegenwart

Es schneit mal wieder etwas zur Abwechselung. Man kann hören, wie Schneelawinen vom Dach rutschen. Die Treppe Richtung Petit-le-Champlain ist schon geräumt. In München täte dort ein Schild stehen "wird nicht geräumt - betreten auf eigene Gefahr" oder "Bei Schnee und Eis gesperrt".

Da es trübe ist, geht es ins Musée de la Civilisation - auf deutsch: Museum der Gegenwart. Es gibt Ausstellungen über folgende Themen: Drachen, Cinema Québec, Ureinwohner, die Geschichte Québecs, Wildnis, und Stadt in der Zukunft. Also genug Stoff für einen ganzen Tag. Die Drachenausstellung ist am Eingang groß angekündigt. Beim Billetkauf werde ich nach der Postleitzahl gefragt, was ich aber nicht auf Anhieb verstehe. Der hiesige Akzent hat es in sich. Ich gebe meine Sachen an der Garderobe ab und bekomme die Marke mit der Nummer 666. Dann geht es zu den Drachen. Fotografieren ist verboten und bei der Schummerbeleuchtung auch unmöglich.

Zusammenfassung: Es gibt in allen Gegenden der Welt Drachenlegenden. Hier wurde ein wenig gemogelt. Für Fabelwesen stimmt das. Die Regenbogenschlange der australischen Ureinwohner den Drachen zu zuordnen ist vielleicht etwas frei interpretiert. Gleiches gilt für Seeungeheuer. Aber es sind schöne Sagen und Ausstellungsstücke zusammengetragen. Erstere kann man über Kopfhörer in englisch oder französisch anhören letztere sind thematisch gut aufbereitet. Es gibt auch den guten alten Stummfilm Siegfried zu bewundern. Die Präsentation der Stücke ist recht aufwendig und macht was her. Es gibt aber auch viele kindgerechte Stationen. Interessant: Im Mittelalter wurden präparierte Drachenjunge nahezu gewerbsmäßig gefälscht.

Nach einer Stärkung in der Cafeteria und etwas surfen gegen die französische Tastatur geht es weiter zum quebecer Kino. Neben einer Ausstellung über Historie und Technik kann man in der Mitte Kostproben quebecoiser Filmkunst bewundern. Man bekommt einen kostenlosen Audioguide, der über Funk seinen Text abruft. An manchen Stellen schwankt er zwischen zwei Textvarianten. Beim Kinoblock in der Mitte funktionert es sehr gut. Ich erwische den Block Humor und anschließend das Thema Amour. Am Eingang wurde schon vorsorglich darauf hingewiesen, daß Sprache und Bilder für Heranwachsende nicht geeignet sein könnten - das ist nicht zuviel versprochen. Rundeherum sind Plakate von Filmen quebecoiser Provinienz zu sehen. Ich kenne keinen einzigen. Dafür spielen einige Szenen am Square St. Louis, wo wir uns vor knapp einer Woche die Nase abgefroren haben.

Im Bundesstaat Quebec leben über zehn verschiedene Indianerstämme erfährt man eine Etage höher. Es gibt indianische Kunst und Altagsgegenstände zu bewundern. Ein paar recht beeindruckende "Tête-Casse" und auch der Konflikt Siedler vs. Ureinwohner wird angesprochen. Interessant ist, was man alles so aus Birkenrinde machen kann: Boote, Zelte für den Winter und Dachbedeckungen.

In der Abteilung Wildnis lernt man - wenn man es ohnehin nicht schon weiß - daß Kanada fast ausschließlich in den großen Städten wohnt. Richtig interessant ist der Part "Stadt in der Zukunft". Es gibt New York in 100 Jahren nach globaler Erwärmung. Eine Multimedia-Show zum Thema Stadt in der Zukunft mit Bildern aus Metropolis, Blade Runner etc. . Einige sehen aus wie abgelehnte Perry Rhodan Titelblätter. Es geht um Konzepte zu Verkehr und Ver- und Entsorgung. Ein einrädriges Motorad ist zu bestaunen und Autos, die sich wie Einkaufswagen platzsparend parken lassen. Auch alternative Massenverkehrskonzepte sind zu sehen.

Im historischen Teil gibt es die üblichen Exponate: Flaggen, Waffen, Haushaltsgegenstände und ein Model des ersten Forts erbaut von Monsieur Champlain.

Mit soviel Kultur und Wissen abgefüllt gehe ich erst einmal mein Hirn durchlüften und mache einen kleinen Umweg. Der alte Markt ist gut ausgeschildert aber dank Schneehaufen unerreichbar. In der St. Paul gibt es jede Menge Antiquitätenläden und ein deutsches Restaurant: Wer sich nach Currywurst, Leberkäs und Maultaschen sehnt ist hier gut aufgehoben.

Am Chateau glänzt Levis in der Abendsonne am anderen Ufer des St. Lorenz, der nun wieder in die richtige Richtung fließt. Zum Essen steuere ich das St. Alexandre an. Es ist randvoll. Also Plan B St. Patricks. Ein paar Barhocker sind frei. Ein lokales Stout und ein Dublinburger wird geordert. Binnen weniger Augenblicke ist auch das St. Patricks randvoll - Schwein gehabt. Nach dem Burger beim zweiten Pint ist der Laden wieder halb leer. Als ich gehe - bis zur Livemusik dauerts noch eine Stunde - also ca. 2 Pints - das St. Alexandre ist immer noch voll. Also gibt es noch einen Manhatten an der Bar. Kurz vor dem Hotel treffe ich auf eine Gruppe, die ein französisch sprechen, was kaum noch als solches zu identifizieren ist. So müssen sich angelsächsiche Germanisten im tiefsten Schwaben oder Bayern fühlen.

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