Es ist noch etwas trübe. Ich fahre mit dem Lift auf die Rezeptions-Etage und steuere den Ausflugsdesk an. Heute gibt es leider keine freien Plätze mehr für die Hundeschlittenfahrt. Ich buche für den morgigen Nachmittag beim Hôtel de Glace. Das können wir dann gleich mitbesichtigen.
Wir fahren mit der Funiculaire zur Rue-Petit-Champlain hinunter und frühstücken in einer Patisserie. Die Auslage macht allein schon vom hinschauen dick. Den Kaffee gibt es ausnahmsweise in einer richtigen Tasse. Ein Andenkenladen neben dem anderen. Wir reservieren im "Le lapin saute" einen Tisch und schauen uns ein wenig um. Ein indianischer Shop hat Messer mit Feuersteinklingen und solche mit Griffen aus Unterkiefern verschiedener Tiere wie Biber, Kojote etc. Wir besichtigen die Glasbläserei. Es wird gerade eine Vase fabriziert. Einmal mit der Feile kurz geritzt und ein leichter Schlag, dann ist das Werkstück abgetrennt.
Eine Gruppe Jugendlicher wird gerade die Treppe hinaufgescheucht. Wir nehmen lieber wieder die Funiculaire. Wir ziehen uns etwas wärmer an. Es scheint zwar die Sonne, dafür pfeift ein eisiger Wind um die Ecken. Wir schauen uns ein paar Geschäfte von innen an. Meine Lammfellmütze in Montreal war ein echtes Schnäppchen.
Dann geht es zum nächsten Internet-Café und von dort weiter zum Bahnhof. Ich brauche noch eine Fahrkarte nach Montréal. Inzwischen verstehe ich das hiesige Französisch recht gut. Die ersten Tage waren grausam. Mein Zug geht um 7:50 Uhr und ich bin um 11:08 Uhr in Montréal. Dann kann ich noch einmal Smoked Meat bei Katz essen. Wir machen ein paar Fotos vom Bahnhof und vom vielen Schnee und von den Malereien an den Stützpfeilern der Stadtautobahnbrücke.
Dann geht es wieder den Berg hinauf. Erst eine riesenlange Treppe mit zwei verschneiten Verschnaufbänken. Dann normale Straße. Es erinnert irgendwie an Reibungskletterei. Nur ist wg. Schneematsch und Eis nicht viel Reibung. In den Seitenstraßen sieht man viel amerikanische Elektroinstallation: Die Kabel sind kreuz und quer hingewurschtelt. Dann kommt eine Einkaufsstraße, die wir ein wenig entlanggehen. Es gibt alle möglichen Läden, sogar einen Bioladen und eine Rösterei mit Kaffee aus aller Welt. Es duftet so gut aus dem Laden, daß wir nicht darum herum kommen eine Tasse (Pappbecher) zu probieren. Ein Schild im Laden wirbt um Verständnis dafür, daß nach neuesten Vorschriften nur noch Kaffeebohnen biologischen Ursprungs als Bio zertifiziert werden dürfen.
Wir marschieren Richtung Hotel zurück. Der eisige Wind spornt uns an. Wir reservieren noch schnell einen Tisch im "Aux Anciens Canadiens". Dann geht's ins Hotel ins Fitness Studio. Es ist voll und ich muß mit dem Nordic-Walker vorlieb nehmen. Auch im Dampfbad ist einiges los. Ich begrüße alle mit "Bonjour" und entgehe so der amerikanischen Zwangsconversation.
Wir nehmen wieder die Funiculaire zum Restaurant. Ein ameriaknisches Ehepaar steigt noch zu. Sie wirft einen Blick auf die Glastür mit der tollen Aussicht nach unten und verzieht sich mit einem "my gosh" in die entgegengesetzte Ecke und schließt die Augen. Als wir unten ankommen, öffnet sie vorsichtig die Augen. Pünktlich um 19:00 Uhr laufen wir im "Le Lapin saute" ein. Es ist umgeräumt. Eine große Gruppe Amerikaner hat das Restaurant mit Beschlag belegt. Wir bestellen brav in französich und werden gar für Quebecoises gehalten. Mir ist nicht ganz klar, ob das Höflichkeit ist oder ich das hiesige Sprachniveau erreicht habe. Wir bestellen L'Assiette decouverte und einen kanadischen Rotwein. Cahors hätte es auch gegeben. Der Wein ist ganz passabel. Das Essen läßt etwas auf sich warten, was sich aber lohnt. Mit Kaffee, Creme brulée erable und Port und Cidre glace(Apfeleiswein - eine lokale Spezialität). Rauf geht es diesmal über die Treppe.