22.03.2013 Warten auf Qaanaaq Teil 3 - Ausflug nach Rodebay
Den freien Platz auf dem Helikopterflug zum Gletscher habe ich gewonnen. Das heißt aber auch noch einmal Geld ziehen. Es gibt hier eine Bank und zwei Geldautomaten. Man kann auch überall wie in Dänemark mit Maestro-Karte zahlen. Aber nicht beim Tourveranstalter. Der sieht lieber Bares. Bei dieser Gelegenheit entsorge ich unser Leergut auch hier gibt es Pfandautomaten und kaufe noch etwas Paskebryg.
Die anderen machen sich auf dem Weg zum Hundeschlittenrennen, das heute stattfindet. Das Problem: Normalerweise starten alle Teilnehmer in einer Reihe und der erste gewinnt. Dieses Jahr ist so wenig Schnee, dass in zweier Teams gegeneinander gefahren werden muss. Die Hunde ziehen die Schlitten teilweise über schneelose Wiesen.
Mein Abholer ist etwas früher da. Gut dass ich schon in der Lobby saß. Es geht nun zum zweiten Mal zum Flughafen. Dort warten wir auf unseren Piloten.
Es ist ein kleiner Helikopter mit 5 Plätze plus Pilot. Die anderen vier gehören Zusammen. Eltern plus erwachsenen Tochter und Sohn. Die Tochter arbeitet hier irgendwo. Ich beherzige den Tipp als letzter einzusteigen und darf auf den Co-Piloten Sitz. Manchmal zahlt es sich auch aus, wenn man nicht drängelt. Es ist ruhiges Wetter. Der Pilot lässt den Motor an und bittet um Startfreigaben und dann schwebt er schön brav über den markierten Weg auf die Landebahn, wo er dann abhebt. Ordnung muss schließlich sein. Wir sind ca. 300 Meter über Grund. Es herrscht gute Sicht. Ich mache ein paar Videoaufnahmen. Wir überqueren die Rennstrecke und ich kann zwei Schlitten erkennen, die um die Wette fahren. Das Panorama über die Eis bedeckte Bucht ist aus der Luft noch gigantischer. Von meinem Platz aus kann man an den Füßen vorbei direkt nach unten schauen.
Nach ca. 10 Minuten setzt der Pilot zur Landung auf einem Geröllfeld an. Der Platz ist markiert und gut aus der Luft zu erkennen. Wir steigen aus, laufen etwas herum. Ich mache ein paar Fotos und Videoaufnahmen. Die Landschaft ist auch wenn ich mich wiederhole einfach umwerfend. Zurück geht der Flug dann am Gletscher entlang und über Ilulissat und schon sind wir wieder am Flughafen. Ich lasse mich am Hotel absetzen. Tausche die Kamera Akkus und dann geht es schon zum nächsten Bootsausflug nach Rodebay.
Wir steigen wieder auf das gleiche Schiff über die gleiche wackelige Leiter runter, müssen aber noch einen Kahn weiter. Dieser ist etwas kleiner. Außer unserer Gruppe ist noch ein Paar mit Gepäck an Bord - die Herrschaften werden auf Rodebay bleiben und ein weiterer gestrandeter Qaanaaq-Reisender.
Wir tuckern aus dem Hafen Richtung Norden. Es gibt hier deutlich weniger Eisberge. Es pfeift ein eisiger Wind an Deck. Nach schier endloser Zeit, also etwa 1,5, h erreichen wir Rodebay. Wir müssen noch um eine Ecke herumfahren. Dann kommt der Hafen in Sicht. Und der ist zugefroren. Uns Boot fährt solange gegen die Eiskante, bis diese nicht mehr bricht. Dann wird eine Leiter direkt auf das Eis gestellt und wir Steigen aus. In einer Stunde soll es wieder zurückgehen. Mit oder ohne uns sagt der Skipper augenzwinkernd.
Misstrauisch steigen wir die Leiter runter und gehen so vorsichtig und so schnell wie möglich weg von der Eiskante.
Unser Tourleiter steuert das Hotel Nordlys an. „Santa Claus Residence“ und „Greenland Dog Sledge Academy“ verkünden zwei Schilder am Hotel. Es fehlt das Schild „vorübergehend geschlossen“ denn es ist weit und breit niemand zu sehen. Ca. 30 Häuser gibt es hier. Den unvermeidlichen Pilersuisoq, die Kirche und die Schule. Wir treffen eine Dame, die uns erklärt, dass es im Gemeinschaftshaus Tee/Kaffee und Kuchen gibt und natürlich ein WC. Dort gibt es nicht nur das. Die Kinder der örtlichen Schule haben mit eigenen Fotos diverse Souvenirs herstellen lassen. Mit dem Verkauf wollen sie eine Klassenfahrt nach Griechenland finanzieren. Damit das nicht so lange dauert kaufen wir auch ein paar Teile.
In der Abendsonne schlendern wir noch durchs Dorf. Es gibt keine Straße oder erkennbaren Weg, aber ab und zu Straßenlaternen. Dann wird es Zeit auf dem Eis zurück zum Schiff zu schlittern. Das Boarding ist nicht weniger angenehm wie das Deboarding. Wir sind alle froh wieder festen Schiffsboden unter den Füßen zu haben. Die Rückfahrt verbringe ich weitgehend in der Kajüte. Es pfeift ein eisiger Wind draußen. Es ist zwar nicht sehr kalt, aber die Verbindung Wind und Wasser bringen ein paar Minusgrade zusätzlich. Wir erleben einen schönen, kitschigen Sonnenuntergang auf See und kommen noch gerade rechtzeitig zum Abendessen ins Hotel. Es gibt Rentiergulasch. Sehr gut, aber wegen einer großen Hochzeit im Nebenzimmer ist das Personal etwas gestresst.
Wir genießen den letzten Luxus vor dem Flug in das Eis. Der dann wohl hoffentlich stattfinden wird.