19.03.2013 Ilulissat
Wir sind die letzten beim Frühstück. Es gibt Rentierschinken und lokalen Käse. Die Auswahl ist übersichtlich, aber vollkommen OK. Unsere Fahrt in die Diskobucht startet um 15:00. Eine halbe Stunde vorher werden wir am Hotel abgeholt. So haben wir Zeit für Sightseeing auf eigene Faust. Am alten Heliport beginnt ein Wanderweg, der zu einem Aussichspunkt zum Icefjord führt. Das wollen probieren.
Es ist auch der erste Dauertest für meine Polarstiefel. Sie sind leicht und warm, aber Stiefel und Füße müssen sich noch an einander gewöhnen.
Wir gehen am Pisiffik vorbei und steigen über eine der Holztreppen den Berg hinauf. Dann geht es durchs Industriegebiet. Autowerkstätten, Schrottplatz und anderes ist hier zu finden. Am Restaurant Marmatut geht es dann links zum Helipad. Links vom weg ist wieder ein Schlittenhundeparkplatz. In der Ferne bekommen gerade ein paar Wauzis ihr Fresschen. Der Rest liegt gelangweilt in der Sonne, meistens oben auf den Hütten. Die Straße endet in einer Art Wendeschleife mit Parkplatz. Dort ist auch eine Übersicht der Wanderwege. Wir entscheiden uns für die rot/blaue Variante. Es soll ja nicht zu lange dauern. Wir gehen an ein paar Hunden vorbei. Sie schauen neugierig zu uns rüber. Ein junger, der noch nicht an die Kette muss, kommt näher, hält aber respektvoll Abstand. Ist auch besser so, denn der Weg ist mit einer dicken Eisschicht versiegelt, die oben angetaut ist. Wir gehen wie auf Eiern. Dann geht es über Wiese bzw. Tundra und Permafrost. Es gibt ein paar Pfützen. Die Eisschicht ist massiv und kann nicht so einfach eingetreten werden. Zwischendurch gibt es immer wieder Schneeflecken, in denen man bis zum Knie einsinken kann. Die Landschaft ist hügelig, felsig, teilweise schneebedeckt und teilweise grün.
Ich entdecke rote Flecken im Schnee in meinen Fußspuren. Ich werde doch wohl nicht durch die Stiefel bluten? Die spüren ich nicht mehr. Sie werden doch nicht abgestorben sein? Des Rätsel Lösung. Hier wachsen rote Beeren und in die war ich hineingetappt.
Wir machen ein paar Höhenmeter. Dann geht es wieder bergab Richtung Bucht. Das nächste drittel unsere Expeditiongruppe kommt uns entgegen. Sie gehen den Weg in der entgegen gesetzten Richtung. Ja, es ist nicht mehr weit und die Aussicht atemberaubend. Es geht weiter runter und ich denke nur: „Das müssen wir alles wieder rauf“. Das Gelände hat leicht alpinen Charakter. Wir gehen über Schneefelder und kommen zum Aussichtspunkt. Dort steht sogar eine Picknickbank. Wir genießen das Panorama, die Sonne und die Eisberge und machen Fotos.
Dann müssen wir noch weiter runter. Eine verschneite Treppe führt bis fast an den Strand zu einem Holzplankenweg, der Richtung alten Heliport führt. Unten warnt ein Schild vor verlassen des Weges wg. Tsunamis verursacht durch den kalbenden Gletscher. Weiter oben ist der Plankenweg vereist. Daneben ist es matschig. Scylla und Charybdis auf grönlandisch. Wir kommen wieder bei den Hunden vorbei. Sie schauen auch wieder neugierig. Auf der Straße zurück in den Ort kommt uns ein Riesen-LKW entgegen. Sieht so aus wie der Wassertransporter. Da es wg. Permafrost keine Wasserleitung und keine Kanalisation gibt haben die besser ausgestatteten Häuser einen Tank. Am Restaurant Marmatut fotografiere ich noch die Speisekarte. Der Weg zurück ist ein Abenteuer: Der Parkplatz, den ich queren muss, ist vereist und die Sonne hat schon eine schöne schmierige Wasserschicht darüber erzeugt. Ich gehe ganz vorsichtig und traue mich kaum zu blinzeln.
Im Pisiffik kaufen wir ein wenig ein. Es gibt es auch eine Bäckerei. Wir essen ein paar Klebeteilchen. Dann wird es auch Zeit zum Hotel zu gehen. Der Transfer zum Boot wartet nicht.
Unsere Gruppe fährt mit einem Kleinbus zum Boot am Hafen. Da das Boot auf der anderen Seite liegt geht es über die Brücke, dann noch hinter einen Berg und anschließend ziemlich steil abwärts. Bei richtig Schnee muss das spaßig sein. Es ist inzwischen etwas bewölkt aber dafür windstill. Über eine Aluleiter klettern wir aufs Boot. Wegen Ebbe geht es recht weit abwärts. Jeder sucht sich einen Platz an Deck. Wir warten noch auf ein paar Nachzügler und dann legen wir ab. Ein kleiner Fischkutter kommt uns entgegen mit jeder menge Möwen im Schlepptau. Vorbei geht es am Hvid Falk und als wir an die Ecke kommen sieht man die ganze Pracht in voller Größe. Gigantische Eisberge. Hoch wie mehrstöckige Mietshäuser. Einer mit einen dicken Felsbrocken weit oben. Die See ist spiegelglatt.Wir fahren an kleineren Eisbrocken vorbei. Nicht zu nahe an die Großen heran. Der Gletscher am Ende des Eisfjords spuckt regelmäßig gigantische Eisberge aus. Diese sind so groß, dass sie in der Diskobucht auf Grund laufen und so lange liegen bleiben, bis Gezeiten und Witterung sie wieder schwimmfähig gemacht haben. Die Disko Insel schützt vor Wind und Strömung und so kann man hier das ganze Jahr Eisberge bewundern. Wir bewundern und filmen und fotografieren, was die Speicherkarten hergeben. Zwischendurch gibt es Tee oder Kaffee zum Aufwärmen. Wir merken allmählich, dass wir im hohen Norden sind und frösteln.
Vor dem Abendessen im Hotel werden noch ein paar kitschige Sonnenuntergänge geknipst. Auch heute geht es zeitig ins Bett. Unser Flieger startet um 10:00 Uhr und um 8:00 wollen wir einchecken.