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18.03.2013 Flug nach Grönland

Der Wecker rappelt erbarmungslos. Das Zimmer war – wie jedes Hotelzimmer – überheizt und der Burger gestern abend war gut – lag aber schwer im Magen. Hilft alles nix. Aufstehen, packen, frühstücken. Und dann zum Shuttle. Der erste Bus ist unser. Check in ist natürlich ganz am anderen Ende der Halle. Dafür müssen wir aber noch einmal ganz zurück, weil eine der Kisten Sperrgepäck ist. So lernen wir den Flughafen in ganzer Breite kennen.

Das Personal an der Sicherheitskontrolle ist nicht gerade freundlich. Ja, auch wir mussten am Montag früh aufstehen. Man sehnt sich direkt nach München, obwohl dort auch nicht die Höflichkeit erfunden wurden. Aber auch diese Hürde nehmen wir. Die wahren Abenteuer finden heute nicht in der Wildnis statt...

Dann macht sich die ganze Gruppe auf der Suche nach der besten Wechselstube. Wir tauschen noch ein paar Euros in Kronen. Dann gönnen wir uns zur Feier des Tags noch ein Gläschen Schabau. Wer weiß, was es in Grönland zu trinken gibt. Dann wird es Zeit zum Einsteigen.

An unserem Gate ist das Boarding schon voll im Gange. Es ist ein A330 und der ist schon gut voll. Erstaunlich wie viele auf diesen vereisten Felsbrocken wollen. Die Ansagen sind in Grönlandisch, Dänisch und manchmal auch in Englisch.

Wir sitzen auf der rechten Seite am Fenster. Neben uns in der Gang Sektion ist eine Mutter mit zwei Töchtern im besten „Hello Kitty“ Alter. Natürlich in Pink. Sie haben ein I-Pad dabei. Der Renner ist ein Jump and Run Game – bei dem einem schon beim Zuschauen schlecht werden kann. Nix für Leute mit Akrophobie. Die Kleinere von den beiden ist recht geschickt mit dem Spiel. Zu Entspannung gibt es eine Schminck-App und als sie melodisch Buchstaben inbrünstig singt ist wohl die Sesam-Straßen-App dran.

Die Getränke werden ausgeteilt. Dazu gibt es Salzmandeln. Man muss gleich Alles für das Essen mitbestellen, denn dann gibt es nur was zu Beißen und nichts zu trinken. Bei dem beschränkten Platz eines Economy-Tischchens eine logistische Herausforderung: Zwei O-Saft, eine Bierdose, der Kaffeebecher für hinterher und das Tablett: Air Greenland Tangram....

Die Faröer sind unter Wolken versteckt. Island ebenso. Die lokale Zeit auf der Flugkarte springt immer wieder auf 09:00 Uhr zurück. Wir fliegen ja gen Westen.

Pünktlich landen wir in Kangerlussuaq: Ein staubiges Tal mit Landebahn und ein paar Gebäude, die aussehen, als ob sie zufällig hier hingeplumpst wären. Wir gehen zu Fuß über die Landebahn Richtung Empfangsgebäude. Es wird mit Argusaugen und Absperrlinien überwacht, dass keiner den Inlandseingang nimmt. Wahrscheinlich damit alle nochmal Geld im Arrival-Duty-Free lassen. Denn für Pässe interessiert sich hier niemand. Einfach durch die Drehtür und man ist offiziell in Grönland. Alles ist sehr übersichtlich. Draußen sind über 10 Grad plus. Nach den Frostwinden in Kopenhagen fühlt sich das schon sommerlich an. Wir suchen uns ein Plätzchen im Freien in der Sonne. Wir hätten ja auch Schneesturm haben können.

Der meiste Schnee ist weg. Die Pflanzen, die noch nicht aufgegeben haben, trauen der Wärme nicht so recht. Die Gegend hat den Charme einer Kiesgrube. Wir haben hier vier Stunden Zeit, bis es weiter nach Ilulissat geht. Also starten wir kleine Erkundungen der näheren Umgebung. Da gibt es etwas Abseits einen Picknickplatz mit Feuerstelle, einen Pizzahol- und Bringdienst, einmal Canada-Goose für alle, die noch nichts Warmes zum Anziehen haben, ein großes Postamt, einen Jagd- und Expeditionsausrüster mit Ren- und Moschusochsenfellen im Angebot und einen Supermarkt, der neben Walspeck auch Jagdgewehre und Munition im Sortiment hat.

Einer unser Mitreisenden ist ganz wild auf Walhaut, Walspeck und Fisch: Je fettiger je besser. Im Tiefkühl des Supermarktes wird er fündig und verputzt es ungewürzt mit sichtbarem Vergnügen. Wir sehnen uns nach einem Schnaps nur beim Zusehen.

Endlich ist auch unser Flieger zum Start bereit. Es ist freie Platzwahl und recht eng. Irgendwie bringen wir alles unter. Auch unsere voluminösen Polarjacken. Es ist rappelvoll – ein Mädel darf im Cockpit mitfliegen. Sicherheitsinstruktionen und dann geht’s los. Die Stewardess könnte auch als Modell arbeiten. Es gibt Kaffee und Kekse und dann setzen wir auch schon zum Landeanflug an. Hier ist schon etwas mehr Schnee.

In Ilulissat gibt es ein Minigepäckband. Beim Gepäck gab es keine Verluste und unser Hotelbus rollt auch schon an. Wir stopfen alles Gepäck und uns so gut es geht in den Bus und sind schon nach 10 Minuten im Hotel Hvide Falk – dem weißen Falken. Wir haben Zimmer mit Balkon und freiem Blick auf die Bucht. D.h dritter Stock ohne Lift. Die Temperatur ist knapp über Null. Vor einem Jahr waren es -20 Grad um diese Jahreszeit – na hoffentlich gibt es im Norden noch genug Eis zum drüberfahren.

Nach kurzem Auspacken treffen wir uns zu einem kleinen Stadtrundgang. Ilulissat ist recht übersichtlich. Die Häuser sind fast alle aus Holz und bunt angestrichen. Erst geht’s zum Hafen. Die kleineren Boote liegen auf Eis und warten auf den Sommer. Die größeren drängeln sich im Anleger. Die Royal Greenland Shrimp Fabrik hat gerade Pause. Unser Tourleiter versucht ein Boot zu organisieren, mit dem wir morgen die Eisberge in der Diskobucht besichtigen wollen. Es ist allerdings für 6 Leute etwas klein. Dann besichtigen wir eine Hornschnitzerei und weiter geht es zum Supermarkt der Kette Pisiffik. - Kein Witz der heißt wirklich so. Wir kaufen zwei Flaschen Wasser ½ Liter ist die maximale Größe, die zu bekommen ist. Weiter geht es Richtung Kraftwerk. Die Wohnungen werden einfacher. Am Ortsrand ist ein großes Areal auf dem die Schlittenhunde geparkt werden. Sie sind angekettet und haben kleine Hundehütten. Einmal am Tag kommt Herrchen und füttert. Hunde sind in Grönland Gebrauchsgegenstände und werden auch so behandelt. Wir machen einen Schlenker und gehen zurück in Richtung Hotel. Über eine lange Holztreppe, von denen es hier mehrere gibt, geht es an der Kirche vorbei Richtung Hvide Falk

Die Küche ist gut. Einer der Kellner sieht aus wie Philip Rösler. Oder ist er es wirklich und übt schon mal für nach der Wahl? Um 20:00 verziehen wir uns in die Betten. Denn eigentlich ist es für uns schon Mitternacht und wir sind sei 05:00 Uhr auf den Beinen.

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